Kindertagespflege

Merkmale einer guten Tagespflegestelle


Hat man sich für die Tagespflege entschieden, ist es Zeit, sich um zwei Dinge zu kümmern: Wie finde ich eine gute Tagesmutter und wie gestalte ich die Rollenverteilung? Erkenntnisse von Experten können Eltern dabei helfen. 


Selbstorganisation der Tagespflegeperson

Wie erkennt man eine gute Tagespflegeperson? Auch dazu gibt es Studien. Zusammenfassend lässt sich sagen: Positiv wirkt es sich aus, wenn die Tagespflegeperson in ihrer Tätigkeit eine Beschäftigung auf Dauer sieht und ein professionelles Selbstbild besitzt. Das kann sich beispielsweise äußern in der Kontaktpflege zu anderen Tagesmüttern und Tagesvätern oder in einer Verbandsmitgliedschaft sowie in einer langen Berufserfahrung. Eine gute Tagesmutter – so die Studienlage – betreut zudem meist mehrere Tageskinder gleichzeitig.

Raumgestaltung und Sicherheit

Eine professionelle Selbstorganisation zeigt sich auf den ersten Blick bei der Gestaltung der Räume: Sind sie kindgerecht ausgestattet - mit vielen Spielsachen, Musikinstrumenten und Materialien für Rollenspiele? Für ganz kleine Kinder sollte ein Wickeltisch bereit stehen. Gefahrenquellen und störende Gegenstände sollten ausgeblendet sein. Steckdosenschutz ist genauso selbstverständlich wie gute wie Treppenschutzgitter, Schubladensperren oder Kantenstoßschutz. Schnickschnack wie fein geschliffene Kristall-Kerzenständer auf kniehohen Wohnzimmertischen sollte generell fehlen und durchdachten und kinderfreundlichen Zonen weichen.

Raum fürs Matschen und Toben

Kinder sind nicht nur an Spielzeug interessiert. Man kann fast sicher sein, dass in einem Raum, der randvoll ist mit Spielsachen und einem teuren Mobiltelefon mit integrierter Megapixelkamera, sich manches Kind zuerst für das Handy begeistert - vor allem für die Bruch- und Stoßsicherheit des Displays. Bei einem Besuch kann man feststellen, wie die Tagesmutter mit empfindlichen Gegenständen umgeht und ob sie sie gut im Blick hat. Kinder fühlen sich generell dann wohl, wenn sie das tun können, was sie tun müssen, um groß und stark zu werden. Matschen, Kleben, Toben - die Wohnung muss das aushalten können, ohne sich jedesmal in eine dringend renovierungsbedürftige Immobilie zu verwandeln.

Wichtig: ein gutes Betreuungsprogramm

Eine professionell aufgestellte Tagespflegeperson wird ein regelrechtes Programm für die betreuten Kinder bereit halten: Geschichten erzählen, Musizieren, Spiele zur Sprachförderung und solche zur Förderung der Motorik und des Zahlenverständnisses. Der Fernseher wird nur sehr selten bis gar nicht im Mittelpunkt stehen und insgesamt wird die Beziehung zwischen der Tagespflegeperson und den betreuten Kindern mit viel Interaktion gestaltet sein. Gibt es einen Garten, Spielplätze oder Grünanlagen in der Nähe? Auch das ist ein wichtiger Hinweis auf ein kindgerechtes Betreuungsumfeld, das die Tagesmutter für Aktionen im Freien auch nutzen sollte.

Verhalten der Tagespflegeperson

Natürlich gehört ein freundlicher Grundton ebenso zur pflichtbewussten Beaufsichtigung der Tageskinder wie ein besonnenes Eingreifen in Notfällen mit den richtigen Maßnahmen - beispielsweise bei Ausbruch eines Feuers. Wichtig für Kinder sind Rahmen gebende Routinen wie Essen, Schlafen und auch die Toilettenbenutzung. Mit einem System, das Regeln und Grenzen aufstellt und von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen akzeptiert wird, zeigt die Tagespflegeperson, dass sie ihr Kerngeschäft professionell beherrscht.

Zur Alltagsroutine zählt auch, dass die Tagespflegeperson den Kindern die richtige Verwendung von Materialien erklärt und unbrauchbare oder kaputte entfernt. Es sollte eine Atmosphäre herrschen, in der Vorbild und Haltung der Tagespflegeperson die Kinder dazu ermutigt, positive und negative Gefühle auf natürliche Weise auszudrücken. Findet man diese Faktoren vor, so kann sich eine herzliche und intensive Beziehung zwischen Kindern, Tagesmutter/Tagesvater und Eltern ausbilden.

Eltern und Tagesmutter in Co-Produktion

Ein Begriff taucht bei der Tagespflege immer wieder auf: die Erziehungspartnerschaft. Der Begriff  bezeichnet nichts anderes als die Betonung der Gleichwertigkeit der Erziehenden. Eltern/-teil und Tagespflegeperson verfolgen dasselbe Ziel: Bildung und Erziehung der Kinder unter gemeinsamer Verantwortung. Sie kooperieren bei der Umsetzung dieses Zieles als Partner und stimmen sich ab in Methode und Mittel. Die nötige vertrauensvolle Beziehung bildet sich vor allem dann aus, wenn die Erziehenden sich gegenseitig in der jeweiligen Rollendefinition akzeptieren. 

Für manche Eltern ein Problem: Das Kind entwickelt zur Tagesmutter eine enge Beziehung und verhält sich möglicherweise in beiden Welten unterschiedlich. Findet ein intensiver Erfahrungstausch auf der Basis vertrauensvoller Gespräche statt, können Eltern besser die Entwicklung und Betreuung des Kindes verstehen und die Rollenverteilung akzeptieren. Behalten beide das gemeinsame Ziel der Sicherstellung des Wohls des Kindes im Blick, dürfte dem Aufbau  einer guten Betreuungs-Beziehung nichts mehr im Wege stehen.

Sonja Leibinger