Eingewöhnung bei der Tagesmutter

Ohne Eingewöhungsphase geht es nicht


Die wichtigste Phase bei der Kindertagespflege: die schrittweise Eingewöhnung des Kindes bei der Tagesmutter. Vor allem bei den unter Dreijährigen ist ein behutsames Vorgehen für das Gelingen der Betreuungsbeziehung immens wichtig.

Für unter Dreijährige und deren Eltern ist die Umstellung auf die Kindertagespflege ein scharfer Einschnitt in den gewohnten Tagesrhythmus. Alles ist neu: die Trennung von den Eltern, die neue Bezugsperson, die mitbetreuten fremden Kinder, die neue Umgebung, der veränderte Tagesablauf. Kinder können ganz unterschiedlich auf die neue Situation reagieren. Vor allem vom Alter des Kindes, aber auch von seinem Charakter hängt es ab, wie gut es sich an die neue Situation anpassen kann.

Am leichtesten gewöhnen sich Kinder im Alter von zwei bis vier Monaten ein: Meist können Eltern ihr Kind dann schon nach wenigen Tagen mit der Betreuungsperson alleine lassen. Aber auch unkomplizierte ältere Kinder können sich mit der Umstellung leicht tun. Andere Kinder brauchen bis zu einigen Wochen, bis sie langsam auf die Anwesenheit von Mama und Papa verzichten können.

Das Kind begleiten

Hat man eine gute Tagesmutter gefunden, folgt man mit ihr zusammen am besten einem pädagogisch fundierten Konzept zur Eingewöhnung. Das bedeutet: Ein Elternteil kommt anfangs – für ein bis zwei Wochen – mit zur Tagespflegeperson und gewöhnt das Kind schrittweise an die neue Bezugsperson. Hier muss man gar nicht viel tun. Mama oder Papa sollten einfach nur im Raum anwesend sein und damit zeigen, dass das Kind im Ernstfall einen sicheren Hafen hat, wohin es sich bei Überforderung zurückziehen kann.
 

Kinder entwickeln ihr Interesse an der neuen Umgebung vor allem dann, wenn sie nicht gedrängt werden. Wenn Vater oder Mutter freundlich zu der Tagesmutter sprechen, wird das Kind das merken und entspannter an die Sache herangehen. Das ist alles, was das Kind in dieser Phase braucht. Es wird in kurzer Zeit neugierig auf die neue Umgebung werden und ganz von alleine seine Entdeckungen machen wollen.

Schrittweise Gewöhnung an die Tagesmutter

Eine sehr gute Strategie: Das Kind anfangs nur für etwa zwei Stunden in die Betreuung geben und schrittweise die Aufenthaltsdauer steigern, bis das Kind sich sichtlich wohler in der neuen Umgebung fühlt. Unterstützt wird dieses Vorgehen, wenn das Kind sein Lieblingsstofftier mitnehmen darf. Was für eine ruhige Ausstrahlung der Mutter / des Vaters in dieser Phase sorgt: Morgens zu Hause ausreichend Zeit einplanen, sodass das Kind keine zusätzliche Hektik verkraften muss. Wichtig ist auch, dass bei der Ankunft in der neuen Umgebung immer dieselbe feste Bezugsperson anwesend ist.

Der erste Abschied

Den ersten Trennungsversuch machen Eltern am besten erst am vierten Tag der Phase der Eingewöhnung. Die drei ersten Tage spielen für die Eingewöhnung des Kindes eine zu große Rolle, denn das Kind braucht jetzt all seine Kraft, um sich mit der neuen Situation so gut wie möglich zu arrangieren. Man sollte es dann nicht zusätzlich mit einer Trennung belasten. Dann kann man versuchen, sich für eine kurze Zeit vom Kind zu verabschieden und den Raum zu verlassen. Jetzt kommt es auf die Reaktion des Kindes an, die wichtige Hinweise für das weitere Vorgehen enthält: Weint das Kind, gehen Mutter oder Vater erst dann in den Raum zurück, wenn die Tagesmutter das Kind nicht innerhalb weniger Minuten beruhigen kann. 

Verabschieden als Ritual

Immens wichtig für das Vertrauen des Kindes ist es, sich regelmäßig vor dem Weggang bei dem Kind zu verabschieden. Macht das Kind die Erfahrung, dass Mutter oder Vater unbemerkt verschwinden könnten, kann es mit Klammern zu verhindern versuchen, dass dies noch einmal geschieht. Für eine positive Stimmung beim Abschied kann man sorgen, indem die Abschiedsphase kurz bleibt und man auch wirklich geht. Andernfalls würde man das Kind unnötig mit Stress belasten und die Eingewöhnungszeit in die Länge ziehen. Das Kind wird sich nach einiger Zeit von der Tagesmutter trösten lassen und die Zeit in der Tagespflege gut gelaunt verbringen.

Wann ist die Eingewöhnung gelungen?

Eine geglückte Eingewöhnung muss nicht gleichbedeutend sein mit einem Tagesbeginn ganz ohne Kupplungsgeräusche. Sie zeigt sich darin, dass die Tagesmutter das Kind im Ernstfall trösten kann und das Kind die Zeit in der Kindertagespflege überwiegend in guter Stimmung verbringt. Mit seinen Tränen drückt das Kind aus, dass es Mama oder Papa am liebsten in der Kindertagespflege mit dabei hätte. Ein gutes Zeichen für den Beginn einer guten Betreuungsbeziehung besteht darin, dass sich das Kind schnell von der Tagesmutter beruhigen lässt.

Wann ist die Entwöhnung gelungen?

Auch die Entwöhnung von der Tagesmutter / dem Tagesvater sollte man nicht zu leicht nehmen. Wie in allen menschlichen Beziehungen ist der Abschied ein Ereignis, das Kummer auslösen kann. Aus der Sicht des Kindes geht es um den Abschied von einer wichtigen Bezugsperson, nicht nur von einer bezahlten Betreuungskraft. Auch diese Phase sollten die Eltern daher mit viel Zeit und Aufmerksamkeit begleiten. 

Nur die Ruhe

Jedes Kind ist anders. Jedes Kind reagiert anders. Ob ein Kind spontan die neue Umgebung erkundet oder eher zögerlich ist, hängt von den Vorerfahrungen und vom Temperament des Kindes ab. Am besten fährt man, wenn man jedes Verhalten des Kindes akzeptiert. Häufig finden sich zögerliche Kinder später besonders gut und nachhaltig in die neue Umgebung ein. Es ist sehr wichtig, dem Kind sein eigenes Tempo zuzugestehen, um sich mit der neuen Situation zu arrangieren.

Sonja Leibinger