hb-gesunde-ernaehrung_artikel

Gesunde Ernährung für Kinder

Verantwortung macht auch vor der Verpflegung nicht halt

Wie alle im pädagogischen Bereich Tätigen haben auch Tagesmütter eine Vielzahl von Aufgaben und Anforderungen zu erfüllen. Es geht ja nicht einfach darum, die Kinder tagsüber in Verwahrung zu nehmen. Erwartet wird vielmehr ein möglichst abwechslungsreiches und professionelles Betreuungsprogramm, ganz wie es auch in Kindertagesstätten angeboten wird. Die Umgebung ist selbstverständlich eine andere, weshalb die Unterbringung eines Kindes bei einer Tagesmutter im Vergleich mit den pädagogischen Einrichtungen dem familiären Alltagsleben doch sehr viel näher steht. Dementsprechend verlangen auch die Mahlzeiten ein entsprechendes Maß an Aufmerksamkeit.

Warum richtige Ernährung für Kinder so wichtig ist

Denn hierbei geht es immerhin um einen unglaublich wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kinder – sowohl körperlich wie auch geistig und sogar sozial. Kind sein ist schließlich in all diesen Bereichen unglaublich fordernd. Einerseits befindet sich der Körper in einer fortwährenden Wachstumsphase, wozu es schon einen großen Teil an Nährstoffen braucht. Gleichzeitig wird so vieles Neues erlebt und erlernt, dass die Konzentrationsfähigkeit ständig hochgehalten werden muss – also will auch das Gehirn ständig mit Energie versorgt werden.

Ernährung und kindliches Verhalten bzw. die kindliche Entwicklung stehen also in einer engen wechselseitigen Beziehung zueinander. Ein Beispiel:

  • Eine übermäßige Nahrungsaufnahme kann schon in jungen Jahren zu Übergewicht führen. Kommt noch hinzu, dass das Zuviel an Essen mit einem zu schlechten Nährstoffgehalt verbunden ist, erweitert sich das Problem der Gewichtszunahme zusätzlich um eine größere Stressanfälligkeit. Kinder leiden dann unter ähnlichen Symptomen, wie sie sich auch bei Erwachsenen mit ähnlich schlechtem Essverhalten zeigen: Sie haben eine wesentlich niedrigere Frustrationsgrenze, sind somit schneller gestresst und aufgrund des Übergewichts aber möglicherweise nicht mehr in der Lage, den Stress durch körperliche Aktivität abzubauen – jedenfalls nicht in dem Maße, wie es vielleicht notwendig wäre.
  • Umgekehrt liefert eine ausgewogene Ernährung alle notwendigen Nährstoffe, um ein aktives Kind zu unterstützen. Was wiederum bedeutet, dass es die aufgenommene Energie sehr viel besser umsetzen kann. In der Folge wird es nur dann essen, wenn die Reserven beim Spielen aufgebraucht wurden, das Verhältnis von Hunger und Sättigung regelt sich sozusagen auf natürlichem Wege.

Was muss, was kann, was darf? Einfache Ernährungsregeln

Die Auswahl der Lebensmittel hat also einen erheblichen Anteil daran, ob sich ein Kind wirklich gesund entwickelt. Tatsächlich sind die Grundlagen einer ausgewogenen Ernährung für Kinder sehr viel weniger kompliziert, als es vielleicht den Anschein hat. Wenn die wesentlichen Regeln beachtet werden, ist sie im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht. Im Grunde genommen reichen drei Richtlinien völlig aus:

  • Reichlich dürfen Kinder energiearme Getränke, Obst, Gemüse und kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Brot, Kartoffeln, Reis und Nudeln zu sich nehmen.
  • (Regel-)Mäßig sind Milch und Milchprodukte sowie Fleisch, Fisch, Wurst und Eier erlaubt.
  • Sparsam verwendet werden sollten hingegen allzu fettreiche und zuckerhaltige Lebensmittel.
Unglaublich beliebt und in zu großen Mengen unglaublich schädlich für Kinder: Süßigkeiten sollten immer wohldosiert werden.

Unglaublich beliebt und in zu großen Mengen unglaublich schädlich für Kinder: Süßigkeiten sollten immer wohldosiert werden.

Gerade letztere sind natürlich besonders reizvoll – problematisch sind Süßigkeiten und fettige Snacks aber wegen ihres hohen Kaloriengehalts, der sich leider nicht mit dem gewünschten Nährstoffgehalt deckt. Daher liegt die empfohlene Menge, abhängig vom Alter der Kinder bei höchstens zehn Prozent der gesamten täglichen Energiezufuhr. Das entspricht zwischen 180 und 270 Kilokalorien. Zur Verdeutlichung: Schon ein Glas Limonade (also 200 ml) bringt es auf über 80 Kalorien und deckt damit alleine die Tagesration zur Hälfte.

Das ist übrigens nur einer der Gründe, warum auf zuckerhaltige oder gesüßte Getränke verzichtet werden sollte. Der andere sind die möglichen Folgen derartiger Durstlöscher für die Zahnentwicklung der Kinder: Bei Babys und Kleinkindern können selbst vermeintlich harmlose Getränke wie gesüßte Tees oder Fruchtsäfte für Milchkaries sorgen und auch für die Milchzähne sind Zucker und Säuren kaum von Vorteil – insbesondere bei regelmäßigem Konsum drohen Verfärbungen, Erosionen, Karies und schlimmstenfalls Spätfolgen für die Entwicklung des Gebisses.

Das können dann auch Lebensmittel mit hochwertigem Eiweiß, Calcium und Mineralstoffen unter Umständen nicht mehr ausgleichen. Obwohl Milch und Milchprodukte ansonsten natürlich sehr wichtig sind, wenn es einerseits um gesunde Zähne und andererseits um stabile Knochen geht. Es gibt allerdings auch bei den Eiweißlieferanten einige Aspekte zu beachten:

  • Verschiedene Milchprodukte haben einen Fettanteil, der für Kinder bei regelmäßigem Konsum schlichtweg zu hoch ist. Es sollte daher besser zu fettarmen Varianten gegriffen werden.
  • Speziell auf Kinder zugeschnittene Produkte wie Milchdesserts oder Fruchtjoghurts enthalten darüber nicht nur Fett, sondern auch teils beachtliche Mengen Zucker – das macht sie daher eher zu Süßigkeiten und maximal in Ausnahmefällen akzeptabel.

Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln hingegen gehen für Kinder immer. Sie liefern von Kohlenhydraten über Ballaststoffe, Eiweiß, Vitamine bis hin zu Mineralstoffen eine große Bandbreite der benötigten Nährstoffe. Für die gesunde körperliche Entwicklung der Kinder sind sie deshalb unverzichtbar und sollten daher – in jeweils angemessener Form – bei allen Mahlzeiten vertreten sein.

Der Bedarf an den jeweiligen Lebensmittelgruppen, der bei Kindern täglich zu decken ist, lässt sich anhand einer simplen Portionspyramide verdeutlichen und nachvollziehen:

  • 6 Portionen Getränke (à 200 ml). Je nach Alter liegt der Bedarf hier zwischen 1 und 1,5 Litern am Tag, dazu müssen natürlich auch die Temperaturen berücksichtigt werden.
  • 5 Portionen Obst und Gemüse. Hier gilt die allseits bekannte „5 am Tag“-Regel, die Maßgabe für die Menge ist jeweils eine Handvoll.
  • 4 Portionen Brot, Getreide, etc.
  • 4 Portionen Milch, Milchprodukte und andere Eiweißlieferanten. Nur als kleiner Hinweis am Rande: Milch ist aufgrund ihres Kaloriengehalts unter die Lebensmittel zu zählen und nicht zu den Getränken!
  • 2 Portionen Fette. Nach Möglichkeit sollten immer pflanzliche Fette und Öle verwendet werden, da sie in ihrer Nährstoffzusammensetzung günstiger sind als ihre tierischen Pendants. Sie sind vor allem bei der Aufnahme von Vitaminen wichtig.
  • 1 Portion Süßes. Auch hier gilt – nicht mehr als eine Handvoll. Süßigkeiten sollten besser immer zurückhaltend ausgeteilt werden.

Spielend leicht zur richtigen Ernährung

hb-gesunde-ernaehrung_pyramiede240Bleibt bei aller Vorbereitung und Auseinandersetzung mit dem Thema gesunde Ernährung für Kinder nur ein potenzielles Problem: Die Kinder teilen die Ansichten hierzu möglicherweise nicht in wünschenswerter Weise. Damit ist prinzipiell immer zu rechnen, denn die phasenweise auftretende kindliche Abneigung gegen alles, was ihnen als gesund verkauft werden soll, ist eines der großen überkulturellen Phänomene menschlicher Entwicklung.

Allerdings ist die Verweigerung gegenüber Obst und vor allem Gemüse keine unlösbare Aufgabe. Sie erfordert lediglich ein wenig Phantasie. Wenn also alle rationalen Argumente, die einem Erwachsenen gegenüber wahrscheinlich nachvollziehbar und verständlich erscheinen, doch nicht greifen, müssen andere Wege beschritten werden. Zum Beispiel durch etwas mehr Kreativität bei der Namensgebung für die gemiedenen Lebensmittel – der Erfolg dieser Methode konnte immerhin sogar wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Daneben können Kinder auch durch ihr Mitwirken in der Küche spielerisch an die verschiedenen Lebensmittel herangeführt werden. So lernen sie nicht nur die verschiedenen Obst- und Gemüsesorten besser kennen, sondern erhalten zugleich eine solide Grundlage für ihr späteres Ernährungsverhalten. Denn die Wirkung gesunder Ernährung reicht letztendlich weit über die Kindheit hinaus.

Wenn also von Kindesbeinen an für Abwechslung auf dem Speiseplan gesorgt ist und möglichst viele Geschmackserfahrungen angeboten werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Lebensstil auch in Zukunft weiter beibehalten wird. Wie gesagt, auch in Fragen der Ernährung tragen Tagesmütter eine große Verantwortung.